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|  NLP und Psychoanalyse
Die Psychoanalytiker halten sich in aller Regel vom NLP fern. Das ist Sache der Psychoanalytiker, doch ist das auch die Sache der Psychoanalyse? Ich denke nein. Freud hat 1914 einen kleinen Aufsatz geschrieben, der wohl zu den zentralsten der psychoanalytischen Behandlungstechnik gehört: "Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten". Insgesamt umfaßt dieser Aufsatz gerade einmal 10 Seiten. Etwas wenig, wenn man bedenkt, um welch wichtiges Thema es geht. Freud leitet den Leser in diesem Aufsatz zu der Erkenntnis hin, daß es nicht nur um das Erinnern geht, wenn Veränderungen erzielt werden sollen, sondern daß diese Erinnerungen alleine genommen lediglich zu einem verstärkten Wiederholen (Widerstand) führen. Das Entscheidende sagt Freud erst ganz zum Schluß, und zwar erst im vorletzten Abschnitt des Aufsatzes, nämlich daß es um das "Durcharbeiten" geht. Und was erfahren wir über dieses so wichtige "Durcharbeiten" von Freud selber? Freud dazu:
"Man muß dem Kranken die Zeit lassen, sich in den ihm unbekannten Widerstand zu vertiefen, ihn d u r c h z u a r b e i t e n, ihn zu überwinden, indem er ihm zum Trotz die Arbeit nach der analytischen Grundregel fortsetzt. Erst auf der Höhe desselben findet man dann in gemeinsamer Arbeit mit dem Analysierten die verdrängten Triebregungen auf, welche den Widerstand speisen und von deren Existenz und Mächtigkeit sich der Patient durch solches Erleben überzeugt. Der Arzt hat dabei nichts anderes zu tun, als zuzuwarten und einen Ablauf zuzulassen, der nicht vermieden, auch nicht immer beschleunigt werden kann. Hält er an dieser Einsicht fest, so wird er sich oftmals die Täuschung, gescheitert zu sein, ersparen, wo er doch die Behandlung längs der richtigen Linie fortführt.
Dieses Durcharbeiten der Widerstände mag in der Praxis zu einer beschwerlichen Aufgabe für den Analysierten und zu einer Geduldprobe für den Arzt werden. Es ist aber jenes Stück der Arbeit, welches die größte verändernde Einwirkung auf den Patienten hat und das die analytische Behandlung von jeder Suggestionsbeeinflussung unterscheidet. Theoretisch kann man es dem "Abreagieren" der durch die Verdrängung eingeklemmten Affektbeträge gleichstellen, ohne welches die Hypnotische Behandlung einflußlos blieb." Freud, S., GW Bd. 10, London 1991, 8. Aufl., S. 135f.
Hier wo der Aufsatz so richtig losgehen müßte, da kommen von Freud leider lediglich Empfehlungen "zuzuwarten". Und kaum hat er noch "Geduld" empfohlen, da ist der Aufsatz auch schon zu Ende. Was eigentlich "Durcharbeiten" ist, das bleibt völlig unklar. Und da stehen nun ganze Generationen von Psychoanalytikern und wissen hier nicht weiter, weil der Meister es nicht ausgeführt hat. Und an dieser Stelle eigene Schritte gehen? Für Psychoanalytiker nicht immer ganz einfach. Dabei steht an dieser Stelle die Türe zur Erweiterung sperrangelweit auf, hier schreit alles nach theoretischer und praktischer Ausgestaltung. Wie geschieht denn das "Durcharbeiten"? Was kann eine therapeutische Hilfe zum "Ducharbeiten" sein? Was genau? Leider ist es in der Nachfolge Freuds an dieser Stelle immer etwas dünn geblieben, denn ganze Generationen von Psychoanalytikern haben es leider nicht geschafft, diese Stelle auszufüllen, - zumindest nicht wirklich. Was sich in der Psychoanalyse dann gemeinhin unter dem Begriff "Durcharbeiten" herauskristallisiert hat, kann man zusammenfassend umschreiben als ein 'Erzählen und Umerzählen von Geschichten' über das eigene Leben, über dessen Konflikte, Lösungen und Scheinlösungen, wobei der gestörte Sinn der psychischen Konstruktion sich in therapeutisch begleiteten Umorganisationsprozessen zu einem vorläufigen Sich-Selbst-Verstehen kommt, das zumindest vorläufig wieder lebensfähig macht. "Durcharbeiten" wird auf das Verfolgen einer Systematik von "Erzählen und Umerzählen" eingeengt, woraus sich dann alle Wendungen und Neuwendungen psychoanalytischer Theoriebildung ableiten lassen, die dann häufig sehr abgehoben und weit weg von den Phänomenen erscheint, die ein kranker Mensch bei sich noch irgendwie nachvollziehen kann. Ich denke, Psychoanalyse hebt hier ab, und was an "Durcharbeiten" sonst noch möglich wäre, bleibt ausgeblendet auf der Strecke. Das mag für "reine und freie Psychoanalyse" in Ordnung sein, es ist aber nicht in Ordnung für den Anspruch, eine mit Heilungsauftrag versehene psychoanalytische Psychotherapie zu sein. Dabei ist die Forderung nach dem "Durcharbeiten" wohl das Zentralste was man von Psychoanalytikern immer wieder hört: Die Sache müsse "durchgearbeitet" werden, es komme auf das "Durcharbeiten" an. Und wenn man dann fragt, wie das geht, das mit dem "Durcharbeiten", dann kann man den Psychoanalytiker auch schon mal auf dem unvorbereiteten falschen Fuß erwischen und man bekommt tautologisch immer wiederholt zu hören, ja das müsse halt "durchgearbeitet" werden, - und keiner getraut sich zu widersprechen oder nochmals nachzufragen, wie das geschieht, das "Durcharbeiten". Die Rettung besteht dann häufig darin, sich einfach als gebildet zu erweisen, indem man nicht weiter nachfragt.
Und wie es immer so ist, daß es nach einem genialen Kopf meist zunächst einmal wieder 100 Jahre dauert, bis der nächste geniale Kopf kommt, der die Sache wieder ein Stück weiter dreht, so ist es auch mit der Psychoanalyse. Freud hat einen großen Wurf zustande gebracht, aber dann ist es an manchen Stellen nicht so recht weiter gegangen, - zumindest nicht an der Stelle, die sich in der Psychoanalyse "Durcharbeiten" nennt.
Genau an dieser Stelle setzt das Neurolinguistische Programmieren an. Das NLP bietet eine Fülle von Angeboten, mit denen man etwas in einen psychoanalytischen Verarbeitungsprozeß hineinbringen kann. Die Formate geben an, was man tun muß, um an der Psyche wirklich zu "arbeiten". Dabei handelt es sich um einen wirklichen "Bearbeitungsprozeß", so wie bei einem Künstler oder einem Steinmetz, der an einem Stein arbeitet, indem er hier etwas wegnimmt, dort etwas betont, an anderer Stelle Markierungen setzt und an wieder ganz anderer Stelle etwas unklar macht. In diesem Modellierungsprozeß bildet sich eine Sache, ein Kunstwerk, eine psychische Veränderung heraus. Die Formate sind dabei die Handwerkzeuge, mit denen an der Psyche im wahrsten Sinne des Wortes gearbeitet wird. Manches klappt dabei, anderes klappt nicht. Und wenn etwas nicht geklappt hat, dann wird etwas anderes probiert. Dabei bleibt der Therapeut "inhaltsfrei". Er hält mit den NLP-Formaten lediglich bewährte Schrittfolgen bereit, die der Patient gehen kann oder nicht. Hier geht es nicht um Manipulation, sondern um gemeinsame Kostruktion einer neuen psychischen Wirklichkeit, es geht um Konstruktivismus, um NLP-induzierte Gestaltungen, "Gestaltbrechungen" (Salber 1979) und Weiterführungen in immer neue Gestalten, bis der Klient/Patient zu einem Punkt gekommen ist, wo er etwas wirklich "durchgearbeitet" hat. Die Stärke des NLP und seine Chance für die Psychoanalyse liegt darin, angeben zu können, was "Durcharbeiten" ist.
Üxheim, den 09.11.2005
© Dr. Franz-Josef Klar
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