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|  NLP und Psychotherapie
NLP versteht sich selbst als eine vielfältige Verfahrenssammlung mit Einsetzbarkeit im Business-Bereich (Managerschulung), im Coaching-Bereich (Begleitung und Förderung gesunder Menschen in ihrer Entwicklung zu ihren selbstgesetzten Zielen) wie auch im Psychotherapie-Bereich. Sowohl die Vielfältigkeit der Verfahrenssammlung wie auch die Vielfältigkeit der Einsetzbarkeit hat dem Ansehen des NLP (leider) geschadet, - insbesondere bei den Vertretern klassischer Psychotherapie. Angesichts von Trance-Großveranstaltungen mit "Schacka-Schacka-Geschrei" und übertriebener Gewinnsucht ihrer Veranstalter entwickelten die Psychotherapeuten Berührungsängste zum NLP, die durchaus verständlich sind.
Es ist aber wichtig zu erkennen, daß diese Auswüchse nicht etwas sind, was dem NLP orginär anhaftet. Die Auswüchse haften vielmehr bestimmten Vertretern und deren kommerziellen Vermarktung an. Ähnliches ist ja auch anderen psychotherapeutischen Verfahren wiederfahren. Es kommt deshalb darauf an, das NLP aus seiner unseriösen Umklammerung zu befreien, den Denkansatz des NLP von seinen negativen Überfrachtungen zu lösen und die "Formate" des NLP in ihrer hohen psychotherapeutischen Wirksamkeit und Einsetzbarkeit zu erkennen.
Um den Stellenwert des NLP im Bereich von Psychotherapie sehen zu können, sollte man sich zunächst einmal den Unterschied zwischen "Methode" und "Verfahren" deutlich machen. Eine "Methode" ist ein System von Ablaufregeln wissenschaftlicher Beweisführung und/oder angebbarer Regeln von daraus abgeleiteter Handlungsstrategien, - hier psychotherapeutischer Handlungsstrategien. Ein "Verfahren" ist hingegegen eine handhabbare Einzeltechnik, deren Anwendung Phänomene produziert, die erst im Rahmen einer (bewußten oder unbewußt mitgedachten) umfassenderen "Methode" Stellenwert erhalten. Ein "Verfahren" ohne umfassende "Methode" bleibt beliebig, erst die Methode gibt dem Verfahren sinnhafte Bedeutung und Interpretationshorizonte.
Was heißt das für die Psychotherapie im Allgemeinen? Im Bereich der Psychotherapie gibt es bis heute trotz allerlei Varianten und Spielarten letztlich nur zwei grundlegende "Methoden". Die eine Methode ist die letztlich aus dem Positivismus (positivistische Methode) abgeleitete "Verhaltenstherapie", die andere ist die aus der Phänomenologie (phänomenologische Methode) entstammende "Psychoanalyse". Beide "Methoden" sind unter dem Oberbegriff "Richtlinienpsychotherapie" kassenzugelassen. Beide "Methoden" benutzen heutzutage in der Praxis teilweise gleiche "Verfahren". Dies ist weiter nicht schlimm und auch nicht verwunderlich. Gleichwohl ist der Einsatz eines Verfahrens im Rahmen der jeweiligen Methode jeweils ein anderer.
Was heißt das für das NLP? Das NLP ist keine "Methode", sondern bislang ganz eindeutig eine Sammlung von "Verfahren/Techniken". Dies gibt das NLP nicht nur zu, sondern das sagt das NLP sogar ausdrücklich: die Begründer des NLP sind in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den damals führenden Psychotherapeuten beider großer methodischer Richtungen (vgl. oben) gefahren und haben zu beobachten versucht, was diese Therapeuten "tun" und was diesen Therapeuten Wirksamkeit verschafft. Sie haben sich dabei weniger von "Methoden" oder "Theorien" leiten lassen, sondern es kam ihnen auf das an, was sie bei diesen Therapeuten als wirksam im Umgang mit Patienten beobachten konnten und faßten ihre Beobachtungen in manualisierte Handlungsanweisungen (Formate) zusammen. Herausgekommen ist dabei eine Formatsammlung, die "querbeet" durch alle therapeutischen "Schulen", - sprich "Methoden" -, geht. Diese Formatesammlung ist letztlich eine Anhäufung von "Verfahren", - sie bilden eine Sammlung von wirksamen Interventionsschritten, - sie bilden jedoch keine neue "psychotherapeutische Methode".
Das NLP kann also - zumindest bislang - nicht als neue eigenständige "psychotherapeutische Methode" neben Verhaltenstherapie und Psychoanalyse verstanden werden, sondern vielmehr als eine Sammlung von "Vefahren", die von beiden großen "methodologischen Schulen" aufgegriffen und innerhalb ihrer Ablaufsregeln sinnvoll eingesetzt werden können. Ob das NLP das Potential für eine eigenständige Methode hat, kann hier offen bleiben. Zumindest hat das NLP dieses Potential bislang nicht deutlich gemacht.
Man muß die bislang fehlende theoretische Eigenständigkeit des NLP jedoch nicht bedauern, denn das NLP hat dennoch etwas in die psychotherapeutische Landschaft gebracht, was von den großen Schulen bisher "so" nicht gesehen, nicht ausformuliert und auch nicht angewendet wurde. Hierbei handelt es sich um Aspekte, die für beide großen methodologischen Schulen (Verhaltenstherapie und Psychoanalyse) sehr wertvoll sein können, von diesen aber bisher eher stiefmütterlich beargwöhnt werden. Sowohl Verhaltenstherapeuten wie auch Psychoanalytiker können sich mit NLP beschäftigen, ohne dabei in Konflikt mit Ihren Schulrichtungen zu kommen oder als Netzbeschmutzer zu erscheinen. Beide großen Schulrichtungen können bei ihren "Methoden" bleiben, auch wenn sie sich mit den gleichen "Verfahren" beschäftigen. Erst der Einsatz der Verfahren im Rahmen der übergreifenden Methode gibt den Einzelformaten des NLP ihren Stellenwert. Die Formate des NLP können in beiden großen therapeutischen Richtungen zum Einsatz kommen, ohne damit einen Methodenbruch hervorzurufen. Somit ist das NLP ein Angebot an Vertreter sowohl der Verhaltenstherapie wie auch der Psychoanalyse, sich mit ihm zu befassen.
Üxheim, den 08.11.2005
© Dr. Franz-Josef Klar
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